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US-Investment-Grade-Anleihen: Ist das der Wendepunkt?


07.04.22 14:30
State Street Global Advisors

Boston (www.anleihencheck.de) - Während sich US-Treasuries in den kommenden Monaten durchaus erholen könnten, sehen wir bei US-Investment-Grade-Anleihen ein größeres Potenzial für einen Aufschwung, so die Experten von State Street Global Advisors in ihrem aktuellen "SPDR Strategie Espresso".

Darüber hinaus könne der Zugang zu diesem Bereich des Rentenmarktes durch einen erstklassigen ESG-Ansatz Anlegern einen gewissen Schutz bieten, falls es zu weiteren Marktstörungen komme.

Anleger in festverzinslichen Wertpapieren hätten ein hartes erstes Quartal gehabt, in dem die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen um mehr als 80 Basispunkte gestiegen seien. Diese Entwicklung sei so aggressiv gewesen, dass sie auch die meisten anderen festverzinslichen Anlagen in Mitleidenschaft gezogen habe. Die Frage, die sich nun stelle, sei, ob es zu einer Wiederholung des letzten Jahres komme oder der Markt weiter abrutsche. Damals seien die Treasury-Renditen in den vier Monaten nach dem ersten Quartal zurückgegangen. Im Straffungszyklus 2015 bis 2018 der US-Notenbank (FED) hätten die Renditen kurz vor der letzten Straffung ihren Höhepunkt erreicht, was darauf hindeute, dass die Renditen weiter steigen müssten. In diesem Fall sei der Anstieg der Renditen jedoch von mehreren starken gegenläufigen Erholungen unterbrochen worden.

Die aggressive Art des Ausverkaufs habe den impliziten 1-Jahres-Treasury-Satz in einem Jahr in die Nähe von 3% getrieben. Das liege deutlich über dem Median des Punktdiagramms der FED, in dem die Notenbankgouverneure einen Anstieg der Zentralbankzinsen erwarten würden (2,5%). Da der Markt der FED so weit vorausgeeilt sei, könnte es zu Beginn des zweiten Quartals durchaus zu einer Konsolidierung oder möglicherweise zu einem Wiederanstieg der Preise kommen. Nach Meinung der Experten von State Street Global Advisors sei das Potenzial für eine Erholung jedoch eher bei US-Investment-Grade-Anleihen gegeben als bei Staatsanleihen.

Die Experten von State Street Global Advisors sähen vier wichtige Überlegungen.

1. Ausmaß des Ausverkaufs:

Der Ausverkauf im ersten Quartal sei bei Anleihen größer gewesen: Der Bloomberg US Corporate Index habe bis zum 30. März 2022 eine Rendite von -7,79% gegenüber -5,64% beim Bloomberg US Treasury Index verzeichnet. Das Ausmaß des Rückgangs sei zum Teil darauf zurückzuführen, dass die Duration des Unternehmensindex mehr als 1,3 Jahre länger sei als die des Treasury-Index. Im Falle einer Erholung dürfte sich das jedoch zugunsten von Anleihen auswirken.

2. Spread-Ausweitung:

Die optionsbereinigten Spreads gegenüber Staatsanleihen hätten sich um über 50 Basispunkte ausgeweitet, bevor sie wieder zurückgegangen seien. Sie hätten sich zwar eingeengt, lägen aber immer noch über den Niveaus, die für die Dauer des Jahres 2021 gelten würden. Der Spread könne in der Tat als Puffer betrachtet werden und könnte sich weiter einengen, wenn der Treasury-Markt aufgrund starker Wirtschaftsdaten unter Druck bleibe. Alternativ könnten sich die Spreads bei nachlassenden US-Konjunkturdaten wieder ausweiten. Das könnte jedoch mit einem Rückgang der zugrunde liegenden Treasury-Renditen einhergehen, da der Markt eine Straffung der FED-Politik auspreise.

3. Berücksichtigung der Rendite:

Der oben erwähnte Spread biete Anlegern auch eine gewisse zusätzliche Rendite, da diese im schlechtesten Fall bei über 3,5% für den Bloomberg US Corporate Index liege, gegenüber 2,4% für den Bloomberg US Treasury Index.

4. Günstiges Umfeld:

Im Unternehmenssektor gebe es kaum Anzeichen für finanzielle Notlagen. Das Wachstum bleibe stabil und die günstigen Finanzierungsbedingungen des Jahres 2021 hätten es den Unternehmen ermöglicht, ihre Bilanzen zu stärken. Während das Verhältnis zwischen Herauf- und Herabstufungen bei nordamerikanischen IG-Unternehmen, die von Moody's bewertet würden, unter 1 gefallen sei, liege es bei S&P zum ersten Mal seit dem 4. Quartal 2018 wieder bei über 3.

Der Wiederanstieg der Energiepreise in Verbindung mit dem erneuten Interesse an Rüstungsunternehmen habe viele ESG-Strategien zu Beginn des Jahres 2022 benachteiligt. Der Bloomberg SASB US Corporate ESG Ex Controversies Select Index habe jedoch im Laufe des ersten Quartals eine relative Outperformance von 15 Basispunkten gegenüber seinem Mutterindex erzielt. Er habe auch andere US-Investment-Grade-Strategien deutlich übertroffen, wie z.B. den iBoxx USD Liquid Investment Grade Index, der im Quartal bei -8,5% gelegen habe, gegenüber -7,7% für den Bloomberg SASB US Corporate ESG Ex Controversies Select Index.

Einige der Screenings für den ESG-Index könnten die Performance im ersten Quartal etwas belastet haben. Allerdings deute eine Attribution gegenüber dem übergeordneten Bloomberg US Corporate Total Return Index darauf hin, dass ein starker Beitrag zur Performance von der Wertpapierauswahl gekommen sei. Technologie, Kommunikation und nicht-zyklische Konsumgüter hätten jeweils etwa fünf Basispunkte zur Outperformance des ESG-Index beigetragen.

Der Unterschied in der Performance zwischen dem Bloomberg SASB US Corporate ESG Ex Controversies Select Index und dem iBoxx USD Liquid Investment Grade Index sei eher auf die Duration zurückzuführen gewesen. Diese habe 74 Basispunkte der Outperformance ausgemacht. Dennoch habe die Titelauswahl immer noch 18 Basispunkte zur Outperformance beigetragen. Wobei die Sektoren Technologie und Kommunikation erneut die Haupttreiber der Indexperformance gewesen seien.

Mit anderen Worten: Auch wenn die ESG-Branche schwierige Zeiten durchlebe, könne der Fokus auf erstklassige Emittenten, den der Optimierungsprozess für die Bloomberg SASB Corporate ESG-Indices biete, immer noch eine Rolle dabei spielen, das Ausmaß des Kursverfalls zu verringern, wenn die Märkte eine deutliche Korrektur erfahren würden. (07.04.2022/alc/a/a)