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Zinsentscheidungen im Fokus: FED bleibt vorsichtig, SNB senkt wohl um 25 BP


17.03.25 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Diese Woche wird es keine Zinssenkung der US-Notenbank FED geben, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Als zu unsicher gestalte sich der Inflationsausblick, um den Zinssenkungszyklus wieder aufzunehmen. Die Leitzinsen lägen in den USA noch immer über 4%, genauer gesagt innerhalb der festgesetzten Bandbreite von 4,25 und 4,5%, und seien seit dem Leitzinshoch um 1%-Punkt gesenkt worden. Die Situation stelle sich seit der Amtsübernahme Trumps als schwieriger dar für die US-Notenbank. Das erratische Vorgehen des US-Präsidenten mache eine quantitative Abschätzung der Effekte auf die Inflation und den Arbeitsmarkt schwierig.

Dennoch müsse diese Woche eine Abwägung in Form der quartalsweisen makroökonomischen Prognosen vollzogen werden. Die Analysten der RBI würden davon ausgehen, dass die FED ansatzweise beginne, die Politik Trumps in ihrem Ausblick zu reflektieren. Geringeres Wachstum, wenn auch keine Rezession, und mehr Inflation sollten die Richtung bei den Prognoserevisionen der FED darstellen. Somit sollten aber Rezessions-Ängste, welche zuletzt für deutliche Rückgänge am US-Aktienmarkt, den Renditen auf US-Staatsanleihen sowie beim US-Dollar verantwortlich gewesen seien, durch die FED keinen weiteren Nährboden finden.

Im Hinblick auf die Leitzinsen werde es aber keinen Backstop für den Finanzmarkt in Form von raschen Zinssenkungen geben. Die Inflation sei noch nicht am Notenbankziel, die jüngsten Inflationsveröffentlichungen würden nicht auf einen raschen Rückgang hindeuten und die Trump-Politik habe die Erwartung gegenüber steigender Inflation geschürt. Nur im Falle einer deutlichen konjunkturellen Abkühlung würde die FED einlenken. Davon würden die Analysten der RBI nicht ausgehen und so an ihrer Prognose von unveränderten Leitzinsen bis Jahresende festhalten. Am Zinsmarkt hätten die Erwartungen bezüglich Leitzinssenkungen zuletzt jedoch zugelegt - es würden drei Zinssenkungen ab Mitte des Jahres erwartet. Im Vorfeld der FED-Zinssitzung bestehe somit ein gewisses Enttäuschungspotenzial.

Auch die Eidgenossen würden diese Woche über ihren Zinssatz entscheiden. Die kürzliche Eurostärke dürfte der Schweizer Nationalbank (SNB) hierbei eine bequemere Position einräumen. Die Analysten der RBI - und die Märkte ebenso - würden eine Zinssenkung von 25 BP und somit ein Zinsniveau von 0,25% erwarten. Die Inflation im Januar (0,4% im Vorjahresmonatsvergleich) und Februar (0,3% im Vorjahresmonatsvergleich) habe sich in etwa im Rahmen der SNB-Inflationsprognose für das erste Quartal 2025 bei 0,3% bewegt. Dennoch bleibe die Inflation niedrig, wobei Importgüter die zentrale dämpfende Rolle spielen würden, was vom starken Frankenkurs nochmals verstärkt worden sei. Die Deflationstendenzen dürften eine Herausforderung für die SNB bleiben, besonders durch einen starken Franken begünstigt. Die derzeitige Eurostärke gebe der SNB jedoch den Spielraum, gemäß der Markterwartung zu senken und die Lage im Juni nochmals zu bewerten, wenn es hinsichtlich des geopolitischen Umfelds sowie geplanter europäischer Investitionen mehr Sicherheit gebe.

Die sprunghafte und unkonventionelle Wirtschafts- und Außenpolitik von US-Präsident Trump führe nicht nur zu Unsicherheiten. In Bezug auf politische Beziehungen sei in sehr kurzer Zeit so viel Schaden angerichtet worden, dass Europa die USA unter Trump nicht mehr als verlässlichen Partner wahrnehme und sich daher in Verteidigungsfragen auf eigene Beine stellen wolle. Dies gehe mit deutlich mehr Investitionen und Schulden in Europa und speziell Deutschland einher. Für deutsche Staatsanleihen habe sich die Ausgangslage also mit hoher Wahrscheinlichkeit dauerhaft verändert. Zwar seien die Beschlüsse zu mehr Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben noch nicht vom (scheidenden) deutschen Bundestag abgesegnet. Dies sollte aber in der laufenden Woche umgesetzt werden und die Analysten der RBI möchten diese Formalia abwarten, um ihre Zinsprognosen entsprechend zu adaptieren. Klar sei, dass die enorme zusätzliche Schuldenaufnahme die Renditen für deutsche Staatsanleihen nachhaltig auf ein höheres Niveau führe. Vieles des erforderlichen Repricings sei aus Sicht der Analysten der RBI unmittelbar passiert.

Dennoch könnte es in den kommenden Wochen noch weiter nach oben gehen - nicht zuletzt könnte eine Aufwärtsbewegung der Renditen von US-Treasuries für zusätzlichen Druck sorgen. Logisch sei aus Sicht der Analysten der RBI auch, dass gegeben der neuen Verhältnisse die Zinskurve in der Eurozone anhaltend steiler sei als unter den alten Annahmen der Analysten der RBI. Zuletzt stelle sich die Frage, ob sich der Fahrplan der EZB verändere. Dabei sei zwischen unmittelbaren Themen und langfristigen Überlegungen zum "neutralen Zins" zu unterscheiden. Letzterer dürfte sich im veränderten Umfeld eher nach oben verschieben - unmittelbar spreche die Themenlage aber für zumindest eine weitere Leitzinssenkung. Eine Reduktion des Einlagesatzes hin zur 2,0%-Marke bis Sommer scheine aber nunmehr eher ein enger Call als ein "no brainer". (Ausgabe vom 14.03.2025) (17.03.2025/alc/a/a)