'...Der erste Schritt im Lernprozess zur Selbstverteidigung der Demokratie gegen diesen neuen Gegner wäre also, ehrlich zu sagen, womit wir es hier zu tun haben. Dem stehen vor allem mittlerweile eingeübte Varianten medialer und politischer Rationalisierung Trumps entgegen, das systematische Sanewashing und die strategische Psychologisierung.
Das Gesundbeten geht üblicherweise so: Wenn Trump Kuba sagt, schauen alle nach Kuba und gucken, was es in dem Land an liegen gebliebenen Problemen, an kritischen Wirkungen auf die Außenwelt, an irgendwie begründbaren Ansprüchen der USA und so weiter geben könnte. Sagt Trump Grönland, so prüfen seine Berufsversteher, ob es da nicht doch auch wirklich ein Sicherheitsrisiko für den Westen geben könnte oder ob der dänische Postkolonialismus nicht aus der Zeit gefallen ist oder ob die Insel nicht auf derselben Kontinentalplatte hockt wie die USA. Und, und, und.
Dasselbe bei Venezuela, Mexiko, Gaza, Kanada und natürlich beim Iran. Aber auch innenpolitisch: Um etwa das martialische Vorgehen von ICE zu relativieren, wird darauf verwiesen, dass die EU mittlerweile doch auch recht brutal gegen Flüchtlinge vorgeht. Oder Trumps Feldzug gegen die Elite-Unis: Haben die nicht wirklich etwas übertrieben mit diesem oder jenem? Ja schon, aber das sind fast nie die Gründe für Trumps Agieren, sondern bloß Gelegenheiten für Wutpolitik. Das Mittel sucht sich verschiedene Zwecke.
Das Er-hat-aber-auch-einen-Punkt-Verfahren droht allmählich zur Ideologie zu werden, an die keine Wirklichkeit heranreicht. Natürlich wird Trump immer einen Punkt haben, er wird nur diesen Punkt notorisch verfehlen, weil er ihn in Wahrheit nicht interessiert. Der rationale Kern seines Handelns erweist sich ein ums andere Mal als Wunsch-Punkt der Trump-Versteher, weil das Rationale für Trump nie der Kern ist, sondern Spielmaterial seiner Obsessionen...'
komplett https://www.zeit.de/2026/16/...ump-europa-strategie-umgang-diplomatie https://archive.ph/Fjyvs#selection-1769.0-1769.453 ----------- it's the culture, stupid |