Die Terroristen des "Islamischen Staats" bedrohen nun auch den Libanon. Provokationen und Gewaltakte sollen dort die Bevölkerung gegeneinander aufhetzen. Dafür nutzt der IS die konfessionellen Spannungen im Land. vom 19.92014
Auszüge: Der Angriff folgte überraschend. Anfang August sickerten Milizen der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) aus Syrien in die libanesische Bekaa-Ebene ein. Fünf Tage lieferten sich die Terroristen erbitterte Kämpfe mit dem libanesischen Militär, dann zogen sie sich wieder hinter die syrische Grenze zurück. Nicht allein allerdings. Sie hatten Gefangene gemacht: ein gutes Dutzend libanesischer Soldaten. Eine der Geiseln. einen Sunniten, enthaupteten sie Ende August. Damit wollten sie den Druck auf die libanesische Regierung erhöhen, einem Gefangenenaustausch zuzustimmen. Nach der Weigerung der Entscheider in Beirut töteten die IS-Terroristen eine weitere Geisel. Diesmal keinen Sunniten, sondern einen Schiiten.
Die Tat war ein Signal. Denn vorher hatten einige schiitische Clans gedroht, sollte ein Schiit ermordet werden, würden sie in eines der syrischen Flüchtlingslager eindringen und dort Rache nehmen. Denn einige der IS-Terroristen stammen offenbar aus Flüchtlingslagern.
Der Angriff und die Ermordung zweier Geiseln durch den "Islamischen Staat" sind ein klassisches Beispiel dafür, wie man Kriege von einem Land in ein anderes trägt. Seit Monaten schon beschießen die IS-Milizen schiitische Gemeinden an der syrisch-libanesischen Grenze. Durch gezielte Provokationen und Angriffe versuchen die IS-Terroristen auch die dritte große Religionsgemeinschaft des Libanon, die Christen, in die Spannungen hineinzuziehen.
Der Libanon ist immer noch dabei, sich von dem langen Bürgerkrieg zwischen 1975 und 1990 zu erholen.
Durch die Angriffe der IS-Terroristen treten die verdrängten Spannungen nun wieder an die Oberfläche. Läuft es schlecht, könnten sie explodieren. Schon haben sich erste Selbstverteidigungskomitees gegründet, nimmt der religiöse Extremismus unter jungen Libanesen zu. "Wir beobachten den Aufstieg einer neuen dschihadistischen Jugend mit sehr geringen Kenntnissen über den Islam", erklärt Nabil Rahim, ein Führer der libanesischen Salafisten.
Diese Entwicklung trifft einen Staat, der seit über fünf Monaten keinen Präsidenten an seiner Spitze hat. Die Wahl kommt nicht zustande, weil sich die Vertreter der drei Religionsgemeinschaften auf keinen Kandidaten einigen können. Christen, Schiiten und Sunniten fürchten jeweils einen Verlust an Macht und Einfluss.
Der IS hat für den Libanon längst ganz eigene Pläne. Syriens südlicher Nachbar solle ein islamisches "Emirat" werden, erklärte jüngst ein IS-Sprecher. Diese Aussicht entsetzt die große Mehrheit der Libanesen derart, dass sie sich über alle konfessionellen Rivalitäten hinweg zusammenschließen könnten, um den Vormarsch der Dschihadisten zu stoppen.
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