Bond-Anleger halten den Ball flach


28.10.11 09:41
Baader Bank

Unterschleissheim (anleihencheck.de) - Die Anleger am Rentenmarkt halten derzeit den Ball äußerst flach, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Mit Blick auf die Debatte um den Euro-Rettungsschirm EFSF habe sich diese Woche kaum einer aus der Deckung getraut. Anlegergetrieben hätten sich die Preise entwickelt. Einzig die bereits in den vergangenen Wochen zu beobachtende gezielte Schnäppchenjagd nach Corporate Bonds und Anleihen in Alternativwährungen zum Euro halte an.

Aufgrund der unsicheren Lage bewege sich der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) zwischen 135 und 136, und somit weiterhin auf hohem Niveau. Trotz der damit verbundenen niedrigen Rendite würden Bundesanleihen weiterhin ihre sicherheitsorientierten Käufer finden. Im Mittelpunkt habe in der abgelaufenen Woche unter anderem eine Bundesanleihe (ISIN DE0001134468 / WKN 113446) gestanden, die bis 6/2016 laufe und bei einer Verzinsung von 6,00% noch eine Rendite von ca. 1,08% abwerfe.

Eine bessere Ernte würden da schon ausgesuchte Industrieanleihen einfahren, die in dieser Woche selektiv gefragt gewesen seien. Dazu würden ein Bond (ISIN DE000A0T1GK7 / WKN A0T1GK) von BMW mit Fälligkeit 11/2012, einem Kupon von 4,95% und ca. 2,20% Rendite ebenso wie eine Anleihe (ISIN/ XS0459131636/ WKN A1A6NE) von Haniel, die bis 10/2014 laufe und bei einer Verzinsung von 6,75% mit ca. 4,06% rentiere, zählen. Nachfrage habe auch nach einer Anleihe (ISIN XS0462999573 / WKN A1APFA) der spanischen Telefonica bestanden, die ein Fitch-Rating von BBB+ aufweise und bei einer Verzinsung von 4,6930% mit ca. 5,37% rentiere.

Weiterhin gesucht seien Titel in der Alternativwährung Norwegische Kronen. Im besonderen Interesse der Anleger habe diese Woche eine norwegische Staatsanleihe (ISIN NO0010313356 / WKN A0GS9C) mit Laufzeit 5/2017 und einem Kupon von 4,25% gestanden, die mit ca. 2,06% rentiere sowie eine Staatsanleihe (ISIN NO0010144843 / WKN 858524) mit Laufzeit 5/2013, die bei einer Verzinsung von 6,50% eine Rendite von 1,60% aufweise.

Die Bonität der Euroländer sei weiterhin das Grundübel aller Probleme. Herrührend von der Haushaltspolitik hätten die Staaten die Krise mit eigenen Händen geschaffen und die Banken seien schnell bereit gewesen, ihren Part in diesem Spiel zu übernehmen. Aber dann habe sich das Instrument "Credit Default Swap" (CDS) zu einem unkalkulierbaren Risiko entwickelt.

Inzwischen sei die Lage so unübersichtlich, dass niemand mehr sagen könne, was passiere, wenn der "Default" eintreten würde. Die Problematik hierbei sei, dass zwei Parteien mit unterschiedlichen Interessen alles daran setzen würden, den für sie günstigsten Fall zu initiieren. Anfangs seien CDS chic und einem Sicherungsnehmer sei gerne geholfen worden. Diese damals noch günstigen Versicherungen seien nun viel wertvoller geworden und würden sich als Bumerang erweisen. Hier würden die größten Risiken schlummern, da man nicht beziffern könne, wer wie viel Geld aufbringen müsste, wenn der "GAU" eintreten würde. Und das betreffe nicht nur Griechenland, sondern mit dieser Angst lasse sich trefflich Geld verdienen.

Der Ansatz des Verbots von CDS sei daher nachvollziehbar, aber dennoch inkonsequent. Es als Gift zu verteufeln, werde dem sinnvollen Grundgedanken nicht gerecht. Denn es sei wie in der Homöopathie, in kleinen Dosen sei Gift auch Medizin. Nehme man aber zuviel davon, dann …

Dennoch sei verständlich, dass die Politik und auch die Notenbanken Europas diesen Fall unter allen Umständen vermeiden wollten. Eine Unterlegung solcher Absicherungen mit Eigenkapital hätte da sehr hilfreich sein können. Nicht nur Staaten seien "versichert", sondern auch andere am Geldkreislauf Beteiligte. Ein neuer Domino Day könnte die Folge sein und der werde dann nicht live bei RTL übertragen.

Es kam wie es kommen musste, so die Analysten der Baader Bank. Die Erwartungen seien hoch und somit nur schwer zu erfüllen gewesen.

Nun sei die Katze aus dem Sack. In den frühen Morgenstunden hätten sich Sisyphus und seine Freunde nach langen Beratungen zurücklehnen und ihr Werk beäugen können. Griechenland erhalte einen Schuldenerlass von 50%. Dadurch habe der weitere Finanzierungsrahmen gesteckt werden können. Im Laufe des gestrigen Tages seien bis zu 65% im Gespräch gewesen. Aber das wäre des Guten zuviel gewesen. Jetzt könne die Hebelung in Angriff genommen werden und die Banken Europas müssten zum Schutz vor der Euro-Schuldenkrise ihre Eigenkapitalquote auf 9% erhöhen. Bis zum Erreichen dieses Ziels seien Boni und Dividenden passé. Italien, Spanien und auch Frankreich seien zu weiteren Sparanstrengungen und Reformschritten bereit.

An den Finanzmärkten mache sich nach den Ankündigungen Erleichterung breit. Allerdings müssten den Absichtserklärungen in den Schuldenländern nun auch Taten folgen. In den nächsten Tagen würden die genauen Formulierungen noch zu analysieren sein. Und man könne nur hoffen, dass man zu dem Schluss kommen werde, einen Schritt in die richtige Richtung getan zu haben.

In zwei Wochen werde man rückwirkend und mit einem gewissen Abstand mehr dazu sagen können!

An den Anleihenkäufen durch die Europäische Zentralbank (EZB) würden sich die Geister scheiden. So lehne der Bundestag weitere Aktivitäten ab und fordere deren Einstellung. Gleichzeitig seien aber die Befürworter enttäuscht, da die EZB immer auf leisen Sohlen (im Nachhinein mit einer gewissen Transparenz), aber doch sehr verhalten agiert habe. Zu Beginn seien wöchentlich noch zwischen 10 und 22 Milliarden Euro bereitgestellt worden, aber inzwischen begnüge man sich mit halbherzigen Aktionen.

Das sei wie beim Pokern. Wer sich nicht in die Karten schauen lasse und bereit sei, größere Beträge zu investieren, der verunsichere die Mitspieler. Leider habe man dies seitens der EZB versäumt.

Der aktuelle Renditeanstieg habe aber nicht zuletzt mit der steigenden Zurückhaltung der Notenbanker zu tun. Hinzu komme noch die Zerstrittenheit der Politiker. Man könne sich somit des Gefühls nicht erwehren, dass selbst die verantwortlichen Notenbanker nicht mehr an die Wirkung ihrer "Waffe" glauben und somit nur noch zögerlich zu Werke gehen würden.

Trotz des grauen Himmels über der Eurozone scheine es einen Lichtstrahl zu geben. China trage sich mit dem Gedanken, sich an der Rettung Europas zu beteiligen. Zwar handle es sich bisher nur um ein Lippenbekenntnis, aber immerhin mit positivem Effekt. Um auf Hilfe aus Fernost zählen zu können, müssten die Euroländer zuerst selbst ihre Hausaufgaben machen. China als Retter in der Not. Aber warum werde jedes Treffen von allerlei Querelen überschattet, statt sich als geschlossene Gemeinschaft zu präsentieren und dadurch etwaige Hilfen zu beschleunigen? Wenig hilfreich sei in diesem Zusammenhang auch die Forderung Großbritanniens nach Mitbestimmung bei Vertragsänderungen innerhalb der Eurozone.

Die Chinesen würden Europa natürlich ihre Hilfe nicht nur aus Nächstenliebe anbieten, sondern sie würden daraus auch einige Vorteile ziehen. Der Export mit ihrem größten Handelspartner würde dadurch gesichert werden. Auch könnten sie durch die Investition eines Teils ihrer USD Reserven, aktuell ca. 1,1 Billionen US-Dollar, Amerika einen Nackenschlag versetzen und so auf das Vorhaben der US-Regierung reagieren, Devisen-Unterbewertungen mittels Einfuhrzöllen zu unterbinden.

Für die europäischen Anleihen würde ein Einstieg Chinas sicherlich stützend wirken. Allerdings würden auch die Chinesen die Beschlüsse aus Brüssel zuerst unter die Lupe nehmen.

Nachdem Anfang dieser Woche das Treffen der EU-Finanzminister abgesagt worden sei, sei die große Verunsicherung an die Kapitalmärkte zurückgekehrt. Markteilnehmer hätten befürchtet, dass der ganze EU-Gipfel abgesagt werde und sich eine einvernehmliche Lösung abermals hinauszögere. Doch aufgrund der Hoffnungen, dass auf dem anstehenden EU-Gipfel eine für den Markt akzeptable Lösung zur Abfederung der Schuldenkrise gefunden werden könne, habe sich das Zeitfenster für Neuemissionen wieder geöffnet. Sofort hätten zwei Unternehmen die Gunst der Stunde genutzt, um sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren.

Die schon länger geplante Hybridemission des Karlsruher Energieversorgungsunternehmens EnBW habe erfolgreich platziert werden können. Aufgrund der Eigenkapitalstruktur der Obligation und des damit verbundenen höheren Risikos, sei die Schuldverschreibung mit einem Kupon in Höhe von 7,375% ausgestattet. Der Hybridbond mit einem Volumen von 750 Mio. Euro werde erst 2072 endfällig, könne aber 2017 vorzeitig gekündigt werden. Durch die Mindeststückelung von 1.000 Euro sei der Bond auch für die meisten Privatanleger zugänglich. Das Rating betrage Baa1.

Ebenfalls erfolgreich sei die Neuemission der Oldenburger EWE AG verlaufen. Das Dienstleistungsunternehmen in den Bereichen Strom, Gas, und Informationstechnologie habe 500 Mio. Euro zu einem jährlichen Zinssatz von 4,125% eingesammelt. Der Bond werde 2019 zurückbezahlt und sei mit A2 geratet.

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