Anleihen-Handel: Macron gewinnt - Risikobereitschaft steigt und deutsche Staatsanleihen haben das Nachsehen


08.05.17 09:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Zunehmender Optimismus hinsichtlich der Wahl Emmanuel Macrons zum Präsidenten Frankreichs hebt die Stimmung an den Aktienmärkten zulasten von Staatsanleihen, so die Deutsche Börse AG.

"Raus aus sicheren Anlagen, rein ins Risiko lautet die Devise vieler Marktteilnehmer", fasse Arthur Brunner die letzte Woche zusammen. Besonders positiv hätten Anleger auf die größere Zustimmung für Macron nach dem TV-Duell reagiert.

Deutlich an Gewicht verloren habe dem gegenüber das Rentenbarometer, der Euro-Bund-Future habe am Freitag bei 160,98 Prozent notiert. "Die Rendite für zehnjährige deutsche Staatsanleihen stieg in der Spitze auf 0,39 Prozent", berechne der Händler der ICF Bank.

"Wieder nur zähe und keine nachhaltigen Fortschritte in der ewigen Griechenland-Krise." So beschreibe Marius Schad die jüngst ausgehandelten Ergebnisse zwischen dem griechischen Gläubigerkonsortium aus Europäischer Union (EU), Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) sowie dem Mittelmeerstaat. Zur Refinanzierung ihrer im Sommer auslaufenden Anleihefälligkeiten von rund 7,5 Milliarden Euro hätten die Griechen unter Vorbehalt der Zustimmung des griechischen Parlaments ein weiteres aus Sicht des HSH Nordbank-Analysten kleines Maßnahmenpaket akzeptiert.

"Was in vielen Medien als Etappensieg für den griechischen Finanzminister Euklid Tsakalotos beschrieben wird, ist in Wirklichkeit nicht einmal eine Verschlimmbesserung der aktuellen Lage", urteile Schad. Eine Langfriststrategie sei auch im siebten Jahr der Griechenland-Krise samt einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 30 Prozent nicht in Sicht.

Versprochen habe die griechische Regierung den Geldgebern, dass 2019 und 2020 - also wohlgemerkt nach Abschluss des dritten Hilfspakets - ein Sparprogramm über 3,6 Milliarden Euro greifen solle, wie Stopp ergänze. Teil des Plans sehe die nochmalige Reduzierung der Renten sowie höhere Steuereinnahmen vor. "Diese Vorgehensweise kommt einem dann doch wie ein Déjà-vu vor." Zudem mache der IWF seine Zustimmung zum ausgehandelten Paket von spezifischen Maßnahmen zur Schuldenerleichterung abhängig. "Eine Beteiligung an den Finanzhilfen für Griechenland kommt für den Fonds nur infrage, wenn die Gläubiger zuvor auf einen Großteil ihrer Forderungen gegenüber dem überschuldeten Mitglied der Eurozone verzichten."

An einer solchen Schuldenerleichterung für Athen scheinen EU-Kommission, Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM), EZB und IWF bereits intensiv zu arbeiten, so die Deutsche Börse AG. Medienberichten zufolge würden in einem gemeinsamen Papier zusammengetragene Maßnahmen als Diskussionsgrundlage an die Finanzminister der EU verschickt. Unter anderem beinhalte ein Vorschlag die Übernahme der ausgezahlten IWF-Hilfskredite durch den ESM in Höhe von 13 Milliarden Euro im Jahr 2019. Kategorisch abgelehnt wie in der Vergangenheit habe die Bundesregierung diesmal nicht.

Eine höhere Rückzahlungsquote als zunächst gedacht scheine es hingegen für Gläubiger der österreichischen Krisenbank Heta zu geben. Die dortige Finanzmarktaufsicht (FMA) erwarte laut Stopp nach dem Verkauf von Heta-Vermögensteilen bis zum Jahr 2023 über Barreserven in Höhe von 8,6 Milliarden Euro verfügen zu können. Bisher hätten rund 6,3 Milliarden im Raum gestanden. "Die Heta kommt beim Verkauf ihrer Unternehmensstücke besser voran als ursprünglich geplant", begründe der Rentenhändler. Deshalb habe die FMA entschieden, den Schuldenschnitt zu senken, sodass sich der Forderungsverzicht von Besitzern vorrangiger Anleihen von 53,98 auf 35,6 Prozent reduzieren werde.

Den Handel mit Anleihen beschreibe Gregor Daniel als tendenziell verhalten. Venezuela-Anleihen hätten nach den heftigen Unruhen auf der Straße durch die Bank den Rückwärtsgang eingelegt. Als Beispiel nenne der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Abgaben einer mit 11,75 Prozent verzinsten Staatsanleihe (ISIN USP17625AE71 / WKN A1GWK1) mit Fälligkeit im Oktober 2026. "Die Umsätze sind aber eher gering", schränke Daniel ein.

Auf die mögliche Einigung Griechenlands mit seinen Geldgebern hätten Anleger unterm Strich mit Zuflüssen bei entsprechenden Bonds reagiert.

Bei den Unternehmensanleihen registriere Stopp regen Zuspruch für ein neues 250 Millionen Euro schweres zehnjähriges Papier (ISIN AT0000A1VKJ4 / WKN A19G0B) der Wiener Städtische Versicherung mit einem Kupon von 3,5 Prozent und einer Stückelung von 1.000 Euro. "Am ersten Handelstag in Deutschland konnten direkt etwa 2,5 Millionen Euro umgesetzt werden."

Eine starke Entwicklung beobachte Brunner für eine Hybrid-Anleihe (ISIN FR0011896513 / WKN A1ZJ3Z) der französischen Groupama-Versicherungsgruppe. Der Händler sehe einen Zusammenhang mit der Heraufsetzung der Kreditwürdigkeit des mit jährlich 6,375 Prozent ausgestatteten Wertpapiers. Seit Mittwoch habe die Anleihe von 105 auf 111 Prozent hinzugewonnen.

Nach wie vor rege gehandelt werde laut Brunner eine Wandelanleihe des Immobilienentwicklers EYEMAXX Real Estate mit einem Kupon von 4,5 Prozent und Fälligkeit im Dezember 2019. "Die Aktie hat in den vergangenen Handelstagen einen Schub nach oben gemacht und notiert rund 10 Prozent stärker", erkläre der Händler.

Lebhaftes Interesse mache die ICF Bank zudem für eine Volkswagen-Hybridanleihe mit einer jährlichen Verzinsung von 4,625 Prozent aus.

Eine Anleihe (ISIN DE000AB100B4 / WKN AB100B) der Air Berlin bewege sich laut Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank nach wie vor stark in beide Richtungen. Es gebe Berichte, wonach die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft von Ethiad über die Fälligkeit des Bonds hinaus Unterstützung erhalte. "Wie nachhaltig diese Information ist, wird man sehen." Der Wert der Anleihe sei seit Dienstag von 88 auf 98 Prozent gestiegen. (Ausgabe vom 05.05.2017) (08.05.2017/alc/a/a)





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