Anleihen: "Die Märkte haben schon vieles vorweggenommen"


08.01.24 09:40
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die 2023 ungewöhnlich starken Kursschwankungen an den Anleihemärkten setzen sich zu Beginn des neuen Jahres weiter fort, so die Deutsche Börse AG.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen sei in den ersten Handelstagen 2024 von 2,02 Prozent auf rund 2,17 Prozent gestiegen. Zuvor sei es hier innerhalb von nur gut zwei Monaten zu einem massiven Rückgang von über 2,9 Prozent auf unter 1,9 Prozent gekommen.

Nun also die Wende nach oben. "Die Zinssenkungseuphorie der Finanzmarktteilnehmer hat um die Weihnachtsfeiertage ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht", würden die Analysten der LBBW konstatieren. Auftrieb hätten die Renditen durch wieder gestiegene Inflationsdaten aus Deutschland und der Eurozone erhalten. "Die Inflations-Kuh ist auch im neuen Jahr keineswegs vom Eis", warne die DZ Bank. Der Anstieg beruhe allerdings zum Großteil auf Basiseffekten aus dem Vorjahr. Daher würden die Strategen davon ausgehen, dass die Teuerung in der Eurozone nach 5,5 Prozent im Vorjahr im Jahresdurchschnitt 2024 auf 3,0 Prozent sinke.

Für Arthur Brunner von der ICF Bank sei Inflation der entscheidende Faktor für die weitere Entwicklung an den Anleihemärkten. "In der vergangenen Woche wurden viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt", erkläre der Rentenhändler den deutlichen Anstieg der Renditen. Den Optimismus vieler Analysten bezüglich der Zinspolitik der Notenbanken teile Brunner nicht. "Die Märkte haben seit November schon vieles vorweggenommen." Im Jahresverlauf könnten die anhaltenden politischen Spannungen womöglich erneut zu Lieferketten-Problemen und wieder steigenden Preisen führen. "Es bleibt mit Blick auf die Inflation und die davon abhängenden Zinsentscheidungen daher spannend."

Auch Tim Oechsner von der Steubing AG rechne mit einem spannenden Anleihejahr und einer zudem nochmals steigenden Nachfrage von Seiten der Kundschaft. Auf dem aktuellen Niveau sei es nach Ansicht des Händlers noch sinnvoller, auf Anleihen zu setzen als vor einem Jahr. "Es können nach Abzug der Inflation wieder reale Renditen erzielt werden, was zu echten Chancen an den Anleihemärkten führt", begründe Oechsner seine Zuversicht. Mit Leitzinssenkungen rechne er in der Eurozone erst zur Jahresmitte - "und auch dann eher zögerlich".

Anleger*innen sollten sich seiner Meinung nach bewusst sein, "dass der Jahresstart noch durch Renditesteigerungen geprägt sein könnte, bevor dann im weiteren Jahresverlauf die Renditen wieder sinken und die Kurse steigen." Bei der zehnjährigen Bundesanleihe halte er einen zwischenzeitlichen Hochlauf auf 2,5 bis 2,6 Prozent für möglich. Am Jahresende sollte die Rendite dann wieder bei rund 2,0 Prozent liegen. Während vor diesem Hintergrund zunächst eher Kurzläufer gefragt sein dürften, könnten Anleihen guter Qualität mit längeren Restlaufzeiten, d.h. über 10 Jahre, im Jahresverlauf "sehr attraktive Renditen abwerfen".

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank rechne ebenfalls mit einem volatilen Jahr und warne vor "überraschenden Ereignissen, die alles durcheinanderbringen". Beim Blick auf die Zinsprognosen sehe er nach dem deutlichen Rückgang der Renditen seit dem Spätherbst ein gewisses Enttäuschungspotenzial. "Es wäre zu einfach, wenn alles so laufen würde, wie es die Analysten erwarten". Sollten die am Markt eingepreisten Zinsschritte der Notenbanken nicht im erwarteten Ausmaß kommen, könnten die Renditen auch schnell wieder auf ihre jüngsten Hochs steigen. Seiner Meinung nach werde sich gerade die EZB eher noch etwas Zeit lassen mit Zinssenkungen. "Alles andere würde mich sehr überraschen."

Für Anleger*innen hoffe der Händler "auf ein paar Neuemissionen" und damit neue Anlagemöglichkeiten auf der Rentenseite. Und hier sehe es zum Jahresstart schon sehr gut aus. Das Rententeam von Hauck Aufhäuser Lampe berichte von einer "Flut an Neuemissionen", die weiterhin stark nachgefragt würden. "Nahezu alle Emissionen waren mindestens 1,5-fach überzeichnet". Bei der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank sei konkret eine fünfjährige Anleihe (ISIN FR001400N3F1 / WKN A3LSR3) der Renault Bank gesucht gewesen, die mit einer 1.000er Stückelung angeboten worden sei und eine Rendite von ca. 4 Prozent ermögliche. Bei der Steubing AG gehe man davon aus, dass das aktuell gute Sentiment nach dem Rückgang der Renditen auch weiterhin zu einer regen Emissionstätigkeit führen werde. "Der Markt ist dafür gerade offen", erkläre Oechsner die sich in den vergangenen Monaten veränderte Ausgangslage. (Ausgabe vom 05.01.2024) (08.01.2024/alc/a/a)






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