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Anleihen: "Trügerische Inflationszahlen?"
02.09.24 10:00
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung durch die EZB am 12. September ist weiter gestiegen, so die Deutsche Börse AG.
Verantwortlich dafür sei der anhaltende Trend zu sinkenden Teuerungsraten. Am Vormittag, den 30. August 2024, habe das Statistikamt Eurostat für den August eine von 2,6 Prozent im Vormonat auf 2,2 Prozent gesunkene Inflation in der Eurozone gemeldet. Vor allem die gesunkenen Energiepreise seien hier ausschlaggebend gewesen. Die Strategen der DWS würden die Daten als "wichtiges Puzzleteil für die wachsende Zuversicht, dass das Inflationsziel von zwei Prozent erreicht werden kann" werten. Sie würden in zwei Wochen wie nahezu alle Marktteilnehmer mit einer Senkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte rechnen.
Die Analysten der NordLB würden allerdings vor einer zu großen Zinssenkungseuphorie warnen. Ihrer Ansicht nach könnten Basiseffekte (die Energiepreise seien seit Herbst 2023 gesunken) dazu führen, dass die Inflation in den nächsten Monaten wieder etwas anziehe. Das befürchte auch Bundesbankchef Joachim Nagel, der auf die anhaltend starken Steigerungen bei den Dienstleistungspreisen hinweise. Dadurch könnte die Inflation bis weit ins Jahr 2025 über dem Zielwert der Währungshüter von 2,0 Prozent bleiben. EZB-Direktorin Isabel Schnabel mahne ebenfalls zur Vorsicht. Das Tempo der politischen Lockerung dürfe nicht mechanisch sein und müsse sich auf Daten und Analysen stützen.
An den Rentenmärkten seien die Inflationsdaten mit einem gewissen Achselzucken hingenommen worden. "Die Zahlen haben sich nicht in den Kursen der Staatsanleihen niedergeschlagen", erkläre Arthur Brunner von der ICF Bank. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen verharre bei aktuell 2,25 Prozent unverändert in der seit mehreren Wochen intakten Range zwischen 2,10 und 2,30 Prozent. "Seit Anfang August gab es immer wieder Versuche, die Zone zu überwinden", würden die Strategen der Helaba beschreiben. Dass der Ausbruch auch diesmal misslungen sei, liege ihrer Meinung nach daran, dass eine Senkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte im September schon "zu rund 100 Prozent eskomptiert" sei.
Insgesamt verlaufe der Handel an der Börse Frankfurt weiterhin ruhig, wie Klaus Stopp von der Baader Bank bestätige. "Wir befinden uns immer noch mitten im Sommerloch". Als Beleg dafür verweise der Rentenhändler auf die abgesagte Emission einer geplanten Anleihe des Staates Österreich mit einer Laufzeit bis 2086. "So etwas kommt äußerst selten vor". Gekauft würden aktuell Bundesanleihen, wo bei der Rendite "noch eine Drei vor dem Komma" stehe. So wie es bei dem bis Februar 2025 laufenden Bond (ISIN DE0001102374 / WKN 110237) der Fall sei.
Im Handel mit Unternehmensanleihen herrsche laut Rainer Petz von Oddo BHF insgesamt ebenfalls relativ wenig Bewegung. Ganz frisch am Markt seien zwei Lufthansa-Anleihen (ISIN XS2892988275 / WKN A383QX und ISIN XS2892988192 / WKN A383QY) in 1.000 Euro-Stückelung mit Kupons von 3,625 Prozent bzw. 4,125 Prozent und Laufzeiten bis 2028 bzw. 2032. Stopp melde zudem Kaufinteresse an einer bis August 2034 laufenden Anleihe des Autobauers BMW.
Bei der ICF Bank berichte Brunner von einer guten Nachfrage nach einer neuen Anleihe (ISIN NO0013252452 / WKN A383GU) von Light AcquiCo. Das Unternehmen habe im Juni angekündigt, die Frankfurter LifeFit zu erwerben, eine der führenden Gesundheits- und Fitness-Plattformen in Deutschland. Gekauft werde zudem ein bis 2046 laufender Argentinien-Bond (ISIN XS2177365520 / WKN A28YAJ), der Ende 2022 bis auf 17 Prozent abgestürzt sei und jetzt bei 44 Prozent notiere. "Die neue Regierung wird von den Anlegern als zuverlässigerer Schuldner wahrgenommen, der Sparkurs wird honoriert", erkläre der Händler.
Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank sehe vermehrt Verkäufe in dem schon vergangenen Woche recht rege gehandelt Bond (ISIN DE000A30VJW3 / WKN A30VJW) des Windparkentwicklers PNE. In den beiden Vorwochen sei die Aktie von PNE bereits deutlich abverkauft worden, was den Vorstand zu einer erneuten Bestätigung der Jahresprognose animiert habe. Während sich die Aktie daraufhin etwas erholt habe, sei es bei der Anleihe jetzt zu Verkäufen und Kursrückgängen von ca. 4 Prozent gekommen. Die Rendite sei bei einer Laufzeit bis Juni 2027 auf 6,3 Prozent geklettert.
Ebenfalls unter Druck stehe eine Anleihe (ISIN DE000A351PD9 / WKN A351PD) des kriselnden Agrarhandelsunternehmens Baywa. Deren Kurs sei im Juli wegen drohender Zahlungsunfähigkeit auf 30 Prozent abgesackt, habe sich im Anschluss aber bis auf über 50 Prozent erholen können. Jetzt notiere der Bond wieder unterhalb von 40 Prozent.
Bei der Steubing AG seien laut Agon Alihajdari momentan Anleihen von Fraport, der Norddeutschen Landesbank (ISIN DE000NLB4XM6 / WKN NLB4XM) und der amerikanischen John Deere Capital beliebt. Bei dem US-Hersteller von land- und forstwirtschaftlichen Materialien und Geräten habe es jüngst Berichte über Massenentlassungen und eine Verlagerung der Produktion nach Mexiko gegeben. Der noch bis September 2033 laufende Bond (ISIN US24422EXE49 / WKN A3LM6Q) sei seit April von 99 auf 105 Prozent gestiegen und werfe aktuell eine Rendite vom 4,5 Prozent ab. (Ausgabe vom 30.08.2024) (02.09.2024/alc/a/a)
Verantwortlich dafür sei der anhaltende Trend zu sinkenden Teuerungsraten. Am Vormittag, den 30. August 2024, habe das Statistikamt Eurostat für den August eine von 2,6 Prozent im Vormonat auf 2,2 Prozent gesunkene Inflation in der Eurozone gemeldet. Vor allem die gesunkenen Energiepreise seien hier ausschlaggebend gewesen. Die Strategen der DWS würden die Daten als "wichtiges Puzzleteil für die wachsende Zuversicht, dass das Inflationsziel von zwei Prozent erreicht werden kann" werten. Sie würden in zwei Wochen wie nahezu alle Marktteilnehmer mit einer Senkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte rechnen.
Die Analysten der NordLB würden allerdings vor einer zu großen Zinssenkungseuphorie warnen. Ihrer Ansicht nach könnten Basiseffekte (die Energiepreise seien seit Herbst 2023 gesunken) dazu führen, dass die Inflation in den nächsten Monaten wieder etwas anziehe. Das befürchte auch Bundesbankchef Joachim Nagel, der auf die anhaltend starken Steigerungen bei den Dienstleistungspreisen hinweise. Dadurch könnte die Inflation bis weit ins Jahr 2025 über dem Zielwert der Währungshüter von 2,0 Prozent bleiben. EZB-Direktorin Isabel Schnabel mahne ebenfalls zur Vorsicht. Das Tempo der politischen Lockerung dürfe nicht mechanisch sein und müsse sich auf Daten und Analysen stützen.
An den Rentenmärkten seien die Inflationsdaten mit einem gewissen Achselzucken hingenommen worden. "Die Zahlen haben sich nicht in den Kursen der Staatsanleihen niedergeschlagen", erkläre Arthur Brunner von der ICF Bank. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen verharre bei aktuell 2,25 Prozent unverändert in der seit mehreren Wochen intakten Range zwischen 2,10 und 2,30 Prozent. "Seit Anfang August gab es immer wieder Versuche, die Zone zu überwinden", würden die Strategen der Helaba beschreiben. Dass der Ausbruch auch diesmal misslungen sei, liege ihrer Meinung nach daran, dass eine Senkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte im September schon "zu rund 100 Prozent eskomptiert" sei.
Im Handel mit Unternehmensanleihen herrsche laut Rainer Petz von Oddo BHF insgesamt ebenfalls relativ wenig Bewegung. Ganz frisch am Markt seien zwei Lufthansa-Anleihen (ISIN XS2892988275 / WKN A383QX und ISIN XS2892988192 / WKN A383QY) in 1.000 Euro-Stückelung mit Kupons von 3,625 Prozent bzw. 4,125 Prozent und Laufzeiten bis 2028 bzw. 2032. Stopp melde zudem Kaufinteresse an einer bis August 2034 laufenden Anleihe des Autobauers BMW.
Bei der ICF Bank berichte Brunner von einer guten Nachfrage nach einer neuen Anleihe (ISIN NO0013252452 / WKN A383GU) von Light AcquiCo. Das Unternehmen habe im Juni angekündigt, die Frankfurter LifeFit zu erwerben, eine der führenden Gesundheits- und Fitness-Plattformen in Deutschland. Gekauft werde zudem ein bis 2046 laufender Argentinien-Bond (ISIN XS2177365520 / WKN A28YAJ), der Ende 2022 bis auf 17 Prozent abgestürzt sei und jetzt bei 44 Prozent notiere. "Die neue Regierung wird von den Anlegern als zuverlässigerer Schuldner wahrgenommen, der Sparkurs wird honoriert", erkläre der Händler.
Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank sehe vermehrt Verkäufe in dem schon vergangenen Woche recht rege gehandelt Bond (ISIN DE000A30VJW3 / WKN A30VJW) des Windparkentwicklers PNE. In den beiden Vorwochen sei die Aktie von PNE bereits deutlich abverkauft worden, was den Vorstand zu einer erneuten Bestätigung der Jahresprognose animiert habe. Während sich die Aktie daraufhin etwas erholt habe, sei es bei der Anleihe jetzt zu Verkäufen und Kursrückgängen von ca. 4 Prozent gekommen. Die Rendite sei bei einer Laufzeit bis Juni 2027 auf 6,3 Prozent geklettert.
Ebenfalls unter Druck stehe eine Anleihe (ISIN DE000A351PD9 / WKN A351PD) des kriselnden Agrarhandelsunternehmens Baywa. Deren Kurs sei im Juli wegen drohender Zahlungsunfähigkeit auf 30 Prozent abgesackt, habe sich im Anschluss aber bis auf über 50 Prozent erholen können. Jetzt notiere der Bond wieder unterhalb von 40 Prozent.
Bei der Steubing AG seien laut Agon Alihajdari momentan Anleihen von Fraport, der Norddeutschen Landesbank (ISIN DE000NLB4XM6 / WKN NLB4XM) und der amerikanischen John Deere Capital beliebt. Bei dem US-Hersteller von land- und forstwirtschaftlichen Materialien und Geräten habe es jüngst Berichte über Massenentlassungen und eine Verlagerung der Produktion nach Mexiko gegeben. Der noch bis September 2033 laufende Bond (ISIN US24422EXE49 / WKN A3LM6Q) sei seit April von 99 auf 105 Prozent gestiegen und werfe aktuell eine Rendite vom 4,5 Prozent ab. (Ausgabe vom 30.08.2024) (02.09.2024/alc/a/a)
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