Anleihen: "Nach Zinssenkung ist vor Zinssenkung"


18.10.24 14:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Geliefert wie erwartet - eine große Überraschung war die EZB-Zinssenkung am gestrigen Donnerstag nicht, so die Deutsche Börse AG.

Die Notenbanker hätten den richtungweisenden Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 3,25 Prozent reduziert. Auf weitere Schritte habe sich EZB-Präsidentin Lagarde nicht festgelegt und abermals auf die Abhängigkeit von der Datenlage verwiesen.

"Nach der Zinssenkung ist vor der Zinssenkung", bemerke Klaus Stopp von der Baader Bank. Eine weitere Zinssenkung in diesem Jahr sei seiner Einschätzung nach nicht ausgemacht. "Ein Wiederaufflackern der Inflation ist nicht ausgeschlossen", bemerke er, auch mit Blick auf die jüngsten Lohnsteigerungen.

Die Zinssenkungserwartungen hätten sich nach der EZB-Sitzung allerdings nochmals leicht verstärkt, wie Analyst Ralf Umlauf von der Helaba berichte. Am Markt werde nun mehrheitlich mit einer weiteren Leitzinssenkung um 25 Basispunkte im Dezember gerechnet. "Angesichts der derzeitigen negativen Dynamik der Wirtschaft in der Eurozone sehen wir einen schwächeren Konjunkturverlauf, als ihn die EZB anvisiert", kommentiere ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. Die EZB werde die Zinsen wohl weiter senken und die Zinssätze so schnell wie möglich auf ein neutrales Niveau bringen.

Vor der EZB-Sitzung sei im Anleihehandel nicht viel los gewesen: "Es war ein insgesamt sehr ruhiger Handel aufgrund der EZB, Anleger hielten sich an der Seitenlinie", berichte Tim Oechsner, der für die Steubing AG Anleihen handele. "Es gab aber viele Neuemissionen." Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liege am Freitagmittag bei 2,20 Prozent und damit auf dem Niveau der Vorwoche. Zehnjährige US-Treasuries würden aktuell 4,11 Prozent abwerfen nach 4,08 Prozent vergangenen Freitag.

Im Handel mit Unternehmensanleihen seien bekannte Namen weiter gefragt. Beate Mägerle von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank sehe größeres Kaufinteresse an zwei Bonds von Mercedes Benz mit Laufzeiten bis 2027 und 2031 und aktuellen Renditen von 2,70 und 3,02 Prozent (ISIN DE000A3LSYG8; ISIN DE000A3LH6U5), außerdem an Papieren der Deutschen Lufthansa bis 2028 und aktuell 3,37 Prozent (ISIN XS2892988275) und MTU bis 2031 und aktuell 3,40 Prozent (ISIN XS2887896574).

Aus dem Segment der Mittelstandsanleihen melde Mägerle gute Nachfrage nach Anleihen (ISIN NO0013168005) der Karlsberg Brauerei, die 2029 fällig seien und aktuell 4,03 Prozent abwerfen würden.

Beispiele für die zahlreichen Neuemissionen seien Oechsner zufolge Papiere der Pfandbriefbank DZ Hyp mit 2,625 Prozent bis 2031 (ISIN DE000A3825M9), des Herstellers von Montage- und Befestigungsmaterial Würth mit 3 Prozent bis 2031 (ISIN XS2911681083) sowie des britischen Wissenschaftsverlags Informa PLC. Hier seien es drei Tranchen, und zwar mit 3,25 Prozent bis 2027 oder 2030 (ISIN XS2919101498; ISIN XS2919102207) sowie 3,625 Prozent bis 2034 (ISIN XS2919102892).

Neue US-Dollar-Bonds seien Oechsner zufolge von der US-Bank JP Morgan mit 4,946 Prozent bis 2035 (ISIN US46647PER38) und 4,505 Prozent bis 2028 (ISIN US46647PEP71) aufgelegt worden. Außerdem habe es Neues von Argentiniens Stromkonzern YPF Energia Eléctrica mit 7,875 Prozent bis 2032 (ISIN USP9897PAS31) und Japans Autobauer Toyota mit 4,35 Prozent bis 2027 (ISIN US89236TMS14) gegeben.

Bei Walter Ludwig werde per Erscheinen die Neuemission des Wiener Immobilienentwicklers UBM Development mit 7 Prozent bis 2029 (ISIN AT0000A3FFK1) gehandelt, wie Mägerle außerdem erklärt habe. Die Mindeststückelung liege hier bei 500 Euro. Der Green Bond sei verbunden mit einem bis zum 15. Oktober laufenden Umtauschangebot für die UBM-Anleihen mit Fälligkeit 2025 und 2026 (ISIN AT0000A2AX04; ISIN AT0000A2QS11). UBM habe sich mit dem Umtausch zufrieden gezeigt. Die Zeichnungsfrist für den Green Bond habe am Mittwoch begonnen und laufe voraussichtlich bis kommenden Dienstag. (18.10.2024/alc/a/a)





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