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EUR Benchmark Bankanleihen: Primärmarkt Q4 2025 - Erstrangig unbesicherte Emissionen auf der Überholspur


05.01.26 15:22
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das Jahr 2025 fand am Primärmarkt für erstrangig unbesicherte Bankanleihen im EUR Benchmark-Format im 4. Quartal mit einem Volumen von rund 42 Mrd. EUR seinen krönen den Abschluss, so die Analysten der Helaba.

Mit diesem Ergebnis habe das Neugeschäft 46 % über dem Durchschnitt der letzten zehn Abschlussquartale gelegen. Für das Gesamtjahr 2025 sei ein neues Allzeithoch von rund 220 Mrd. EUR resultiert, 62 % über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre.

Haupttreiber für die äußerst rege Aktivität seien die hohen Fälligkeiten gewesen. Diese seien unter anderem dadurch begründet gewesen, dass inzwischen auch die nach der Finanzmarktkrise eingeführte Kategorie der Senior Non Preferred (SNP) Anleihen voll etabliert sei und sich bei ihr somit ein ausgewogener Rhythmus zwischen Neuemissionen und Fälligkeiten eingestellt habe. Dies habe sich darin widergespiegelt, dass der Anteil von SNP-Anleihen am Gesamtvolumen stabil 61 % ausgemacht habe.

Darüber hinaus hätten Banken aus den USA, Großbritannien und Schweden die für sie günstigen Refinanzierungsbedingungen am EUR-Markt intensiv genutzt. US-Banken hätten die Emission von erstrangig unbesicherten Bankanleihen im EUR-Benchmark-Format gegenüber dem Vorjahr auf rund 33 Mrd. EUR verdoppelt. Damit hätten sie sogar die französischen Banken überflügelt, von denen traditionell einige aufgrund ihrer umfangreichen Kapitalmarktaktivitäten zu den aktivsten Playern gehört hätten. TLTRO-Refinanzierungen hätten 2025 hingegen keine Rolle mehr gespielt, nachdem die letzte Tranche des Programms im Dezember 2024 bei der EZB zurückgezahlt worden sei.

Auf Basis der Schätzungen der Analysten könnte das Neuemissionsvolumen bei erstrangig unbesicherten Bankanleihen im EUR-Benchmark-Format im Jahr 2026 nochmals auf rund 230 Mrd. EUR zulegen. Für ein erneut starkes Emissionsjahr würden vor allem die umfangreichen Fälligkeiten sprechen. Diese nähmen 2026 nochmals leicht zu und blieben auch 2027 hoch. Zur Refinanzierung aktueller Fälligkeiten kämen somit erneut Vorfinanzierungen für das Folgejahr hinzu. Ferner dürften die günstigen Bedingungen für EUR-Emissionen von US-Banken gemäß den Zinsprognosen der Analysten anhalten. Ihre volkswirtschaftlichen Prognosen würden darüber hinaus für ein stabil gutes Geschäftsumfeld bei europäischen Banken sprechen; in Deutschland sollte es insbesondere aufgrund der Fiskalpakete sogar zu einer konjunkturellen Belebung kommen. Die zu erwartende Zunahme beim Kreditneugeschäft werde allerdings teilweise durch höhere Einlagenvolumina kompensiert werden, wenn attraktivere Zinssätze geboten würden.

Für SNP-Emissionen blieben die regulatorischen Anforderungen ein wichtiger Faktor. Zwar seien die Mindestquoten erreicht worden, hohe Fälligkeiten seien inzwischen jedoch auch hier Haupttreiber für die Emissionspläne geworden. Die Analysten würden erwarten, dass der Anteil der SNP-Emissionen weiterhin deutlich über der Hälfte der Gesamtemissionen liegen werde.

Die Einführung einer generellen Depositor Preference in ganz Europa sollte nur eine begrenzte Auswirkung auf die Bonität von Preferred-Anleihen haben, die Institute könnten jedoch mit der Emission weiterer Preferred-Titel gegensteuern. Bis die neuen Regelungen in den einzelnen Mitgliedstaaten umgesetzt würden, werde es allerdings noch bis Mitte 2028 dauern. Die Spreads bei erstrangig unbesicherten Bankanleihen hätten den Emittenten insgesamt attraktive Refinanzierungskonditionen geboten.

Die Spreads von erstrangig unbesicherten Bankanleihen seien bereits weit reingelaufen. Positive Konjunkturaussichten und die steilere Zinsstrukturkurve sollten die Anleihebewertungen weiter stützen. Allerdings seien die positiven Erwartungen zumindest teilweise eingepreist. Geopolitische und makroökonomische Unsicherheiten blieben bestehen. Die bereits niedrigen Risikoaufschläge führten zu kurzfristigem Rückschlagpotenzial bei negativen Nachrichten. Das richtige Timing stelle somit unverändert eine Herausforderung dar.

Im vergangenen Jahr sei es lange Zeit so erschienen, als würden die Neuemissionen von Covered Bonds die Analystenerwartungen von 160 Mrd. EUR nicht erfüllen. Trotz der Rekordemissionen im Juni hätten die Emissionsflaute im März und die Delle im Oktober eine zu große Lücke gerissen. Letztlich würden die Analysten davon ausgehen, dass es die Vorboten der hohen Rückzahlungen im kommenden Jahr gewesen seien, die zu einem ausgeprägten Emissions-Endspurt im November und zu einer Punktlandung bei exakt 160,3 Mrd. EUR basierend auf 191 Transaktionen geführt hätten.

Das vierte Quartal habe ernüchternd begonnen: Die starke Emissionstätigkeit im August und September im Vorfeld der Vertrauensfrage in Frankreich habe sich als Vorzieheffekt herausgestellt. Darüber hinaus sei die in Euro denominierte Primärmarkttätigkeit aus Kanada hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Mit nicht einmal 10 Mrd. EUR habe sich per Ende Oktober ein sehr dürftiges Ergebnis ergeben. Dies habe sich erst ab der zweiten Novemberwoche geändert: In Erwartung steigender Neuemissionen im kommenden Jahr in Kombination mit konstant hohen Eventrisiken (US-Handelspolitik, Russland-Ukraine-Konflikt, politische und fiskalische Situationen in Kerneuropa) sei Prefunding das Gebot der Stunde gewesen. Die Analysten würden diese Strategie insbesondere für kleinere und mittlere Emittenten mit vollem Emissionsfahrplan für probat halten, da gerade diese Emittenten besonders von negativen Marktphasen betroffen sein dürften.

Grundsätzlich hätten sich die Transaktionen im vierten Quartal sehr gut unterstützt gezeigt. Die durchschnittlichen Überzeichnungsquoten seien von 2,3x im dritten Quartal wieder auf 3,2x gestiegen. Während die hohen Überzeichnungsquoten im ersten Quartal (damals 4,5x) auf die defensive Emissionspolitik mit hohen Neuemissionsprämien zurückzuführen gewesen seien, habe der Grund im vierten Quartal eher auf der Nachfrageseite gelegen: Die Fälligkeiten in Höhe von 29 Mrd. EUR hätten die Neuemissionen um mehr als 10 Mrd. EUR überstiegen. Da die Erwartungslage bezüglich Nettoneuemissionen für das erste Quartal 2026 angesichts von 58 Mrd. EUR an Fälligkeiten kaum komfortabler sein dürfte, habe sich auf der Investorenseite ein "Reise-nach-Jerusalem-Spiel" entwickelt. Im Detail seien Überzeichnungsquoten bis zu 6x (BAUSCH 3 Oct 35) bei unauffälligen Neuemissionsprämien von 0-2 Basispunkten verbucht worden.

Eine kleine Ausnahme bezüglich der Neuemissionsprämie sei der CAFFIL 3 May 33 gewesen - nach Ansicht der Analysten die interessanteste Emission im vierten Quartal. Die relativ weit und volatil gehandelten französischen Staatstitel (OATs) seien ein entscheidender Einflussfaktor bei der Emission französischer Covered Bonds gewesen. Seit geraumer Zeit zeige sich die Strukturkurve der OATs steiler als die der französischen Covered Bonds. Der Schnittpunkt, ab dem OATs tendenziell billiger handelten als französische Covered Bonds, oszilliere um eine Duration von etwa fünfeinhalb Jahren. Konsequenterweise stellten sich Emissionen französischer Covered Bonds jenseits dieser "Schallmauer" als zunehmend herausfordernd dar - so auch die lange 7Y CAFFIL. Rein nach Aktenlage bedeute das Reoffer Level von 61 Bp. eine Neuemissionsprämie von etwa +6 Bp. Tatsächlich sei es jedoch gelungen, die Papiere bei OAT +0 Bp. zu platzieren. Die Überzeichnungsquote von über 3,2x dürfe in diesem Zusammenhang als Auszeichnung für französische Covered Bonds interpretiert werden - umso mehr, als die Papiere von CAFFIL letztlich mit öffentlicher Deckungsmasse besichert seien.

Mit 25 Ländern sei die bislang größte Marktbreite aus dem Jahr 2022 übertroffen worden. Im kommenden Jahr könnte diese Zahl noch steigen. Bulgarien, die Türkei und Griechenland seien potenzielle Kandidatenländer.

In der Länderaufteilung hätten französische Covered Bonds mit 33,8 Mrd. EUR den ersten Platz belegt. Deutsche Pfandbriefe lägen mit 32,9 Mrd. EUR auf dem zweiten Rang vor norwegischen (10,25 Mrd. EUR), australischen (9,9 Mrd. EUR) und niederländischen Emittenten (9,75 Mrd. EUR). Australische, kanadische und singapurische Emittenten hätten sich in den letzten Jahren als voll akzeptierte Covered-Bond-Länder etabliert. Dies sei ein Zeichen der globalen Erfolgsgeschichte der besicherten Bankrefinanzierung und definitiv Grund genug für europäische Aufsichts- und Legislativorgane, sich mehr und mehr mit Drittstaatenäquivalenz zu beschäftigen. (05.01.2026/alc/a/a)