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Höhere Volatilität an den Finanzmärkten erwartet - "Deals" kommen zurück


04.12.24 10:00
ALTE LEIPZIGER Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - 2025 sollte von tendenziell erhöhter Volatilität an den Finanzmärkten geprägt sein, so die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust.

Die tatsächliche Umsetzung der Wirtschaftspolitik von Donald Trump dürfte zudem für unvorhergesehene Entwicklungen sorgen. Gleichzeitig blieben die anhaltenden Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten weiterhin eine Quelle geopolitischer Unsicherheit für die Marktteilnehmer.

Die wirtschaftliche Dynamik - sowohl in den USA als auch weltweit - werde maßgeblich durch die Maßnahmen der Trump-Administration, insbesondere in den Bereichen der Migration und der Handelspolitik, determiniert. Auch wenn einzelne Zollmaßnahmen durch bilaterale "Deals" der US-Handelspartner abgemildert oder verhindert werden könnten, sollte dies wohl eher die Ausnahme bleiben. Stattdessen sei mit Gegenreaktionen der vom US-Zoll betroffenen Länder zu rechnen, die den globalen Handel bremsen und das Wirtschaftswachstum dämpfen würden. Gleichzeitig dürfte dies den Inflationsdruck erhöhen, was den wirtschaftspolitischen Handlungsspielraum weiter einschränken könnte.

Zu erwarten sei, dass die anhaltenden Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten sowie ein potenzieller Zollschock, ausgehend von den USA, 2025 für gemischte Rahmenbedingungen in der Weltwirtschaft sorgen würden. Gleichzeitig sollte es jedoch auch positive Wachstumsimpulse geben, die vor allem auf steigende Realeinkommen der privaten Haushalte und staatliche Konjunkturprogramme zurückzuführen seien. Kurzfristig würden die Leitzinsen in Euroland weiter gesenkt - komme dann die Inflation zurück?

Kurzfristig rechneten Experten mit weiteren Zinssenkungen, die die Finanzierungsbedingungen zunächst erleichtern und damit vorübergehend für Unterstützung sorgen würden.

Eine mögliche Gefahr bestehe jedoch darin, dass insbesondere in den USA eine zu expansive Fiskalpolitik zu höheren Risikoprämien führen könnte. Diese würden die Finanzierungskosten für den Privatsektor erhöhen und dadurch Investitionen erschweren. In den westlichen Industrieländern sollte die Phase rückläufiger Inflationsraten dann zu Ende gehen. Die von den USA initiierten Zollanhebungen, die voraussichtlich auch in anderen Ländern Nachahmer finden könnten, würden nach Einschätzung führender Wirtschaftswissenschaftler ab Mitte 2025 den Inflationsdruck wieder verstärken. Dies würde den Spielraum der Zentralbanken für weitere Zinssenkungen einschränken.

Der designierte US-Präsident Trump übernehme eine derzeit sehr gut aufgestellte US-Volkswirtschaft von der Biden-Administration. 2024 hätten die rückläufige US-Inflation und die nur moderate Abkühlung am US-Arbeitsmarkt eine solide, konsumgetriebene Expansion gestützt. Das US-Wachstum werde auf 2,7% prognostiziert.

Für das Winterhalbjahr 2024/25 sei zwar mit einem Rückgang des Wachstums zu rechnen, dies gehe jedoch einher mit einem nur verlangsamten Stellenaufbau und einer moderateren Lohndynamik. Nach dem Amtsantritt Donald Trumps dürfte die innere Stärke der USA jedoch auf die Probe gestellt werden. Erwartet werde eine schnelle Umsetzung flächendeckender Strafzölle nicht nur gegenüber China, Mexiko und Kanada, sondern insbesondere auch gegenüber der Europäischen Union. Dies schwäche die Kaufkraft der US-Konsumenten, weshalb die Konjunkturentwicklung darunter zu leiden haben dürfte.

Fachleute erwarteten 2025 deshalb ein abgeschwächtes US-BIP-Wachstum von 1,6%. Die Inflationsrate sollte anziehen und damit Fragen für die weitere Zinspolitik der Federal Reserve aufwerfen. Angesichts der vorerst noch weiter fallenden Inflation und der langsam aufkeimenden Risiken steigender Arbeitslosigkeit dürfte die Fed sowohl im Dezember 2024 als auch im März 2025 den Leitzins um jeweils 25 Basispunkte auf insgesamt 4% bis 4,25% zurücknehmen. Der zollbedingte Inflationsdruck dürfte die Währungshüter dann jedoch möglicherweise zu einem vorzeitigen Ende des Zinszyklus zwingen.

Sorgen vor anhaltend hohen Haushaltsdefiziten und dadurch weiter steigenden Schuldenständen auf bereits erhöhtem Niveau würden die Diskussionen am Markt begleiten. Die Risikoprämien bei US-Anleihen langer Laufzeiten könnten steigen. Hierdurch könnte die US-Zinskurve steiler werden bzw. sich von teils inversem Niveau ausgehend normalisieren. Der US-Treasury-Markt habe diese Entwicklungen bereits in hohem Ausmaß antizipiert. Zeitweise schwächere US-Konjunkturdaten dürften dabei im ersten Halbjahr 2025 renditedämpfend wirken, während von stark expansiven Fiskalmaßnahmen Impulse für steigende Renditen bei langen Laufzeiten ausgehen könnten.

Bundesanleihen blieben wie gewohnt auch 2025 vom amerikanischen Bondmarkt beeinflusst. Eine Korrektur der möglicherweise marktseitig derzeit zu hohen Zinssenkungserwartungen im Euro-Raum könnte vor allem am kurzen Ende der Zinskurve zu beobachten sein. Bei der Rendite 2-jähriger Bundesanleihen könnte trotz der noch erwarteten EZB-Zinssenkungen nur noch geringes weiteres Abwärtspotenzial gegeben sein. Die 10-jährige Bund-Rendite, die seit Anfang November 2024 durch die US-Impulse und in Erwartung eines hohen Bund-Angebots deutlich auf zuletzt 2,03% gefallen sei, werde Ende 2025 unter Volatilität bei 2,5% erwartet. (Ausgabe Dezember 2024) (04.12.2024/alc/a/a)