Anleihemarkt: Zinsen klettern nach oben


13.12.19 15:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit den nun doch realistisch erscheinenden Hoffnungen auf ein Handelsabkommen zwischen den USA und China und dem klaren Sieg von Boris Johnson bei den Wahlen in Großbritannien sind sichere Anleihen nicht mehr so gefragt, so die Deutsche Börse AG.

Während die US-Börsen am gestrigen Freitag erneut auf Rekordhochs geklettert seien und der DAX Kurs auf sein Allzeithoch nehme, würden Bundesanleihen und US-Treasuries aus den Portfolios fliegen.

"Mit der Meldung von Dow Jones, wonach die US-Unterhändler der chinesischen Seite bei den bereits bestehenden Zölle entgegen gekommen sind, scheint es dieses Mal tatsächlich zu einer Einigung zu kommen", bemerke Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Die Renditen der US-Treasuries seien daher bis zum Handelsschluss gestern teilweise um mehr als zehn Basispunkte gestiegen. Zehnjährige Treasuries würden nun wieder Renditen von 1,88 Prozent abwerfen nach 1,72 Prozent am Donnerstag vergangener Woche.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liege jetzt bei minus 0,23 Prozent - das sei der höchste Stand seit Juli. Zum Vergleich: Vergangene Woche seien es teilweise noch minus 0,35 Prozent gewesen, im Tief im August minus 0,72 Prozent.

Keine Auswirkungen habe die erste EZB-Sitzung unter Leitung von Christine Lagarde am gestrigen Donnerstag gehabt. Lagarde habe angekündigt, die Zinsen längerfristig niedrig zu halten. Die Schlüsselsätze würden noch solange auf dem aktuellen oder einem tieferen Niveau liegen, bis sich die Inflationsaussichten wieder klar dem Ziel von knapp zwei Prozent angenähert hätten, habe sie erklärt. "Zwar hat Lagarde den Eindruck vermittelt, dass sie die unterschiedlichen Meinungen im EZB-Rat berücksichtigen will, am Ausblick und dem Lockerungsbias wird vorerst aber festgehalten", bemerke Analyst Ulrich Wortberg von der Helaba.

Auch die US-Notenbank habe auf ihrer Sitzung am Mittwoch die Geldpolitik unverändert gelassen. FED-Chef Powell habe abermals erklärt, dass nur eine "wesentliche Neueinschätzung der wirtschaftlichen Aussichten" eine Zinsänderung bewirken würde.

Deutlich angezogen im Bereich Unternehmensanleihen hätten in dieser Woche Hybridanleihen der Deutschen Bank mit Zins von 6 Prozent, wie Rainer Petz von Oddo Seydler berichte. Mit dem Anstieg auf 94 Prozent sei ein Mehrmonatshoch erreicht worden. Die Anleihe habe zwar eine Stückelung von 100.000 Euro, werde aber viel gehandelt.

Zugegriffen werde laut Daniel auch bei einer Ekosem-Agrar-Anleihe. Hintergrund seien positiv aufgenommene Neunmonatszahlen. Ebenfalls gut angekommen sei die Anleihe von FCR Immobilien. "Das lag wohl an einem Bericht in Börse Online und guten Zahlen", bemerke der Händler.

Viel um gehe weiter in Währungsanleihen, etwa in US-Dollar. "Wir sehen aber auch hohe Umsätze in Anleihen in norwegischen Kronen", berichte Petz. Beliebt seien zum Beispiel eine bis 2022 laufende KfW-Anleihe (ISIN XS1758488941 / WKN A2E4JR) mit Kupon von 1,125 Prozent und aktueller Rendite von 1,2 Prozent und ein VW-Bond. Der sei 2022 fällig und rentiere bei einem Kupon von 2,5 Prozent aktuell mit 2,35 Prozent. (13.12.2019/alc/a/a)